Abfindung versteuern 2019: Wie Sie Steuern sparen

In diesem Beitrag verraten wir Ihnen, ob und wie eine Abfindung zu versteuern ist.
Seit mehr als 10 Jahren sind Abfindungen steuerpflichtig und müssen bei der Berechnung der Einkommensteuer zum regulären Jahresverdienst hinzugerechnet werden. Sollten Sie etwas anders gehört haben, entspricht dies nicht mehr der Wahrheit.  

Die Abfindung fällt in die Kategorie außerordentliche Einkünfte (§34 EStG). Steuerlich werden Abfindungen nicht als Schenkung behandelt, sondern als Arbeitslohn bzw. Einkommen betrachtet.

Abfindung Sozialabgaben

Sozialversicherungsbeiträge fallen in vielen Fällen nicht an (§ 14 SGB IV Sozialgesetzbuch). Das bedeutet, dass Sie Kranken-, Pflege-, Arbeitslosen und Rentenversicherung auf die erhaltene Abfindung nicht zahlen müssen. Nur wenn Sie freiwillig krankenversichert sind, müssen Sie nach Erhalt einer Abfindung Kranken- und Pflegeversicherung nachzahlen.

Abfindung: Steuern sparen mit der Fünftel-Regelung

Früher lief die Besteuerung von Abfindungen über festgelegte Freibeträge ab. Dies sorgte in vielen Fällen dafür, dass der Arbeitnehmer eine höhere Steuerlast zu tragen hatte. Da eine Abfindung das Einkommen des Jahres erhöht, in welchem Sie gezahlt wird, kann es hier zu einem Sprung im Steuertarif kommen. Dieser kann sich für die Steuerlast des Arbeitnehmers nachteilig auswirken. Für solche Fälle hat der Gesetzgeber eine Steuerermäßigung geschaffen. Und zwar die Fünftelregelung.

Falls Ihre Abfindung dazu führt, dass sich Ihr Jahresbruttoverdienst erhöht und Sie dadurch in die Stufe des nächsthöheren Steuersatzes rutschen, können Sie mit Hilfe der sogenannten Fünftelregelung Steuern sparen. Mit dieser Regelung wird so gerechnet, als hätten Sie über fünf Jahre verteilt jeweils ein Fünftel der Abfindungszahlung erhalten. Auf diese Weise wird die Steuerprogression gesenkt und Sie sparen Steuern, weil der Gesamtbetrag nicht länger in einer Summe der Steuer unterworfen wird.

Damit die Fünftelregelung angewendet werden kann, müssen jedoch 2 Voraussetzungen erfüllt werden:

1) Die Abfindung muss innerhalb eines Kalenderjahres gezahlt werden. Der Arbeitnehmer sollte also unbedingt darauf achten, dass die gesamte Abfindung innerhalb dieses Zeitraums bezahlt wird. Die Abfindung kann dabei entweder in Form einer Einmalzahlung oder in Form mehrerer Teilzahlungen erfolgen.

2) Außerdem müssen durch die Zahlung der Abfindung die bis zum Jahresende wegfallenden Einnahmen überschritten werden, die der Arbeitnehmer ohne den Jobverlust bekommen hätte. Wenn also die Abfindung die Einnahmen, die der Arbeitnehmer durch den Job voraussichtlich bis zum Ende des Kalenderjahres erzielt hätte, nicht überschreitet und er keine Einnahmen hat, die er bei Fortsetzung des Jobs nicht erhalten hätte, ist die Fünftelregelung nicht anwendbar. Die Abfindung wird in diesem Fall also regelbesteuert.

Die Fünftelregelung in der Praxis – ein Beispiel

Lena P. ist single und hat keine Kinder. Sie hat ein Jahreseinkommen von 28.000 € und 6 Jahre im Betrieb gearbeitet. Ihre Kündigung hat sie nicht tatenlos hingenommen und konnte mit einer Kündigungsschutzklage eine Abfindung in Höhe von 20.000 € erkämpfen.

1. Mit einem Einkommen von 28.000 € zahlt Kim P. jährlich 3496,68 € Steuern.

2. Durch die Fünftelregelung müssen nur 20 Prozent der Abfindung zum Jahreseinkommen addiert werden. Bei einer Abfindung von 20.000 € steigt Lenas Jahreseinkommen also um 4000 €.


3. Die Differenz dieser beiden Steuerbeträge wird berechnet und verfünffacht.


4. Dieser Betrag wird mit der normalen Steuerlast addiert.Lena P. zahlt auf den Abfindungsbetrag 5398,2  €. Zuzüglich der Steuer in Höhe von 3.496,68 € auf das Jahreseinkommen beträgt die Einkommensteuer insgesamt 8894,88 €.

Ohne die Fünftelregelung müsste Lena P. das gesamte Jahreseinkommen inklusive der Abfindung versteuern. Die Steuern auf das erhöhte Jahreseinkommen von 48.000 € würden 9449,52 € betragen. Kim P. spart durch die Fünftelregelung 554,64 € Steuern ein.

Wie Sie Ihre Abfindung versteuern

Die Berechnung und Abführung der Steuer an das zuständige Finanzamt erfolgt, genau wie bei der „normalen“ Lohnsteuer, durch den Arbeitgeber. Wenn der Arbeitgeber die Fünftelregelung angewendet hat, dann tragen Sie in der Steuererklärung selber noch die entsprechenden Daten in die Anlage N ein. Je nach Fall tragen sie die Entschädigung der Abfindung in Zeile 17 oder Zeile 18 der Anlage N.

Sie tragen sie in Zeile 17 ein, wenn die Abfindung ermäßigt besteuert wird. Wenn sie nicht ermäßigt besteuert wurde, dann tragen sie die Abfindung in Zeile 18 ein.

Zusammenfassung:

Arbeitnehmer müssen ihre Abfindung versteuern. Abfindungszahlungen sind in den meisten Fällen sozialversicherungsfrei. Mit der Fünftelregelung können Sie eine Steuerermäßigung beantragen. Allerdings nur, wenn:

(1) die Auszahlung in einem Kalenderjahr ausgezahlt wurde und
(2) die Zahlung der Abfindung, die bis zum Jahresende wegfallende Einnahmen überschreiten, die der Arbeitnehmer ohne den Jobverlust bekommen hätte.


Zurück zur ArtikelübersichtZurück zur Artikelübersicht